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Bona Sforza’s Bridal Journey to Poland as Imaginary Traveling and Jagiellonian Propaganda

Patrik Pastrnak


Pages 289 - 315



Bona Sforzas Brautfahrt nach Polen als imaginäre Reise und jagiellonische Propaganda

Die Vermählung von Bona Sforza und König Zygmunt I. von Polen im Jahr 1518 inspirierte zahlreiche Verstexte in lateinischer sowie auch italienischer Sprache. In einigen liegt der Fokus auf Bonas Brautfahrt aus der italienischen Heimat nach Polen. Neben den epithalamia im eigentlichen Sinne, wie sie Ioannes Dantiscus und Caspar Ursinus Velius verfassten, und Nicola Antonio Carmignanos Reisebericht in Versen, gibt es weitere Gelegenheitsgedichte (propemtica), die mit bestimmten Stationen dieser Brautfahrt verbunden sind: für Wien das Begrüßungsgedicht von Ioannes Hadelius, für Olomouc “Paraceleusis” von Rudolf Agricola Junior sowie die Beschreibung des Einzugs in Krakau von Franciscus Viihelinus (Ferenc Buzás aus Újhely).

Anstatt jedes der Gedichte im Detail durchzugehen, zeigt der Beitrag in einer Zusammenschau, dass diese Texte eine gänzlich neue Perspektive enthalten. Bona Sforzas Reise wird in eine virtuelle Realität verschoben, in welcher sie nicht von Manfredonia nach Krakau, sondern aus dem antiken Latium in das Land des Sarmatenkönigs reist. Ausgangspunkt der Analyse ist das dreistufige Schema der deductio, das den Übergang der Braut von der traumatischen Trennung zu den Freuden einer glücklichen Ehe beschreibt. Die Dichter, insbesondere Carmignano, modifizieren gekonnt Reiseroute und -zeit, um ein kosmisches Drama der Trennung von der Mutter und des beschwerlichen Übergangs durch Eis und Winter zu der freudigen Begegnung mit dem Gatten zu gestalten. Das Motiv des schrittweisen Übergangs, manchmal durch das Motiv der Rastlosigkeit und Ungeduld ergänzt, verweist auf Bonas Bräutigam, König Zygmunt, der implizit und explizit als ultimativer Gewinn und begehrenswertester Ehemann figuriert.

Anschließend schwenkt der Aufsatz zur Analyse der in den Gedichten enthaltenen Botschaften: Die Verstexte preisen die Neuvermählten, die zwei Dynastien vereinen, sowie das gesamte Königreich Polen, dessen außenpolitische Interessen sie fördern, indem sie seine Feinde verunglimpfen. Die Untersuchung zeigt, wie die Brautfahrt auf die intellektuelle Kultur rückwirkte: Die Humanisten präsentierten die Braut ihrer neuen Umgebung und verbreiteten dabei dynastische Propaganda. Da Bona Sforzas Hochzeit ein transnationales Ereignis war, das humanistische Autoren aus verschiedenen Ländern zusammenbrachte, verweist diese Analyse auf umfassendere europäische literarische Trends.

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