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Запретительный конъюнктив в славянских литургических переводах XIV века


T. I. Afanas’eva


Pages 239 - 255



Der prohibitive Konjunktiv in slavischen liturgischen Übersetzungen des 14. Jahrhunderts

Der slavische prohibitive Konjunktiv ist eine Lehnprägung aus dem Griechischen und wurde in bestimmten Fällen anstelle des traditionellen kirchenslavischen Modells von Imperativ und Negation verwendet. Die Verwendung der Lehnprägung beschränkt sich auf liturgische Texte, die dialogische Kontexte enthalten, v. a. Gebete. So kommt dieses Modell am häufigsten im Euchologion und dem Psalter vor, in den Evangelien tritt es nur sehr eingeschränkt auf. Der Gräzismus ist eine Eigenheit der slavischen Übersetzungen der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ist besonders regelmäßig in Übersetzungen aus dem Kreis des Metropoliten Kiprian anzutreffen. In der späteren übersetzerischen Tradition gerät die Lehnprägung an die Peripherie der kirchenslavisch-buchsprachlichen Norm und wird in dеn Gram- matiken nicht festgehalten. In der Übersetzung des Neuen Testaments 1674 erfährt sie eine unerwartete Wieder- belebung in einer Passage aus dem Lukas-Evangelium (Lk 18, 20), die in der Folge einen Einfluss auf den Text der zehn Gebote (Dekalog) ausübt. Die Passage geht in dieser Form in die Fibel von Simeon Polockij ein und wird bei der Berichtigung der Elisabeth-Bibel 1751 berücksichtigt.

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